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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine für
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Kirche St. Arnold
1. Die St. Arnolds-Kapelle auf dem Arnoldsberg

Wer heute an die Kirche von Breitungen denkt, hat den wunderbaren barocken Kirchenbau im Oberdorf gegenüber vom Gut vor Augen, der den Namen St. Arnold trägt. Doch die Ursprünge des kirchlichen Lebens in Breitungen liegen nicht im Oberdorf, sondern auf dem Arnoldsberg. Auf dieser unmittelbar nördlich von Breitungen gelegenen, 285m hohen Bergzunge befindet sich eine viereckige Wallanlage mit vorgelegtem Graben. Im Inneren dieser Anlage sind noch bis heute einige wenige Strukturen schwach erkennbar, die als die Mauerreste der ehemaligen Arnoldskapelle interpretiert werden können.
Der Ursprung der Arnoldskapelle liegt im 10. Jahrhundert und ist untrennbar mit den Anfängen des Ortes Breitungen verbunden. Auch wenn aus dieser Zeit keine direkten Überlieferungen mehr vorhanden sind, lassen sich einige Vermutungen über die Entstehung der Kapelle anstellen. Im 8. und beginnenden 9. Jahrhundert war diese Siedlungsgegend zwischen Südharz und Kyffhäuser zwar formal christianisiert worden, doch insbesondere in den Siedlungen abseits der größeren Orte wurde der „heidnische“, nichtchristliche Volksglauben weiterhin praktiziert. Um einerseits die Christianisierung auch tatsächlich im Volk zu verankern und andererseits das Land effektiver für die landwirtschaftliche Versorgung zu nutzen, wurden gezielt Klöster gegründet. Wie eine Klostergründung vor sich ging, ist in vielen Klosterchroniken überliefert: Einem bereits bestehenden, oft auch sehr weit entfernten Kloster wurde ein größeres Landstück und mindestens ein Dorf von der weltlichen Macht als Lehen mit der Auflage übereignet, dort ein neues Kloster zu gründen und die Landwirtschaft und die öffentliche Ordnung zu organisieren. Aus dem Mutterkloster wurde ein Abt mit zwölf Mönchen – in Anlehnung an Jesus und die zwölf Apostel – in die neue Gegend geschickt. Als erstes wurde eine kleine Kapelle gebaut, um die Gebetszeiten und Gottesdienste feiern zu können. Dieses Vorgehen ist auch für die Anfänge in Breitungen vorstellbar. Einen wichtigen Hinweis liefert der bereits mittelalterlich bezeugte Kirchenname „Arnold“, denn im gesamten Mitteldeutschen Raum ist keine weitere Kirche mit diesem Namen bezeugt. Als St. Arnold wurde in der katholischen Kirche des Mittelalters neben einem wenig bedeutenden Ritter Arnold aus Schaffhausen/Schweiz ein Arnold von Arnoldsweiler (heute ein Stadtteil von Düren in Nordrhein-Westfalen) verehrt. Auch wenn über diesen Arnold nicht viel zu erfahren ist und er manchmal mit dem Bischof Arnulf von Metz (gest. 640) verwechselt wird, gehörte er historisch wahrscheinlich in den Umkreis des Kaisers Karl des Großen und starb zwischen 800 und 830. Im Gebiet zwischen Aachen und Köln wird er als Lokalheiliger verehrt, so dass sich heute abgesehen von der Breitunger Kirche nur in dieser Region St. Arnolds-Kirchen befinden. Es ist deshalb vorstellbar, dass im Rheinland des 10. Jahrhunderts ein Kloster mit dem Namen St. Arnold existierte, das 12 Mönche und einen Abt in den mitteldeutschen Raum ausschickte, um dort ein neues Kloster zu gründen. Die ausgesandten Mönche nahmen den Namen „St. Arnold“ mit und weihten die neue Kapelle diesem in unserer Gegend vollkommen unbekannten Heiligen. Da der Ort Breitungen einen mit „Arnold“ verbundenen Ortsnamen trägt, ist vorauszusetzen, dass schon vor der Klostergründung eine Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Breitungen existierte.
Eine weitere Mutmaßung betrifft die Bedeutung des Arnoldsberges. Als der Pfarrer und Chronist Kranoldt um 1750 den Arnoldsberg beschreibt, berichtet er von einer Kapelle, die von hohen Eichen umgeben ist. Bei Klostergründungen des 10. Jahrhunderts gab es die verschiedentlich bezeugte Vorgehensweise, sich einen ehemals mit heidnischem Glauben besetzten Ort für den Bau einer Kapelle oder einer Kirche auszusuchen. Die geographische Struktur des Arnoldsberges und die von Kranoldt bezeugten hohen Eichen (Kranoldt: Merckwürdigkeiten der Goldenen Aue, S. 751), die oft ein Symbol für einen germanischen Kult waren, könnten ein Hinweis darauf sein, dass sich dort ein für die Bewohner der Siedlung heiliger Ort befunden hatte, der dann mit dem Bau der Kapelle „christianisiert“ wurde, so dass die Menschen in die Kapelle zu ihrem gewohnten heiligen Ort gingen. 
Die Arnoldskapelle ist von ihrer Bauweise eine kleine, einschiffige Hallenkirche mit einer runden Apsis im romanischen Stil gewesen. Die Decke war sicherlich nicht als Gewölbe, sondern als Balkendecke ausgeführt. Wahrscheinlich besaß sie nur einen Altar in der Apsis, der dem Heiligen Arnold geweiht war. Ihre Größe von geschätzt unter 50 qm bot Mönchen genug Raum, nicht aber der Gemeinde des ganzen Ortes, so dass dann später auf dem Kirchberg eine neue Kirche gebaut wurde.
Über die Geschichte des mutmaßlichen Arnoldsklosters sind keine schriftlichen Quellen überliefert. In der Urkunde von König Otto I aus dem Jahr 961 wird Breitungen dem benediktinischen St. Mauritius-Kloster in Magdeburg überantwortet „zum Unterhalt der Kleriker und Mönche, die […] Gott dienen“. Dieser Beleg scheint darauf zu deuten, dass selbst benediktinische Mönche in Breitungen lebten, die dem Magdeburger Benediktinerkloster zugeteilt waren. Der Überblick über das Klosterwesen in Mitteldeutschland zeigt, dass es im 12. und 13. Jahrhundert ein massives Klostersterben gegeben hat. Die alten, nach der regula benedicti verfassten Klöster verloren ihre Anziehungskraft, während Klöster neuer Orden wie  Zisterzienser (z.B. Kelbra. St. Ulrici Sangerhausen), Prämonstratenser (z.B. Ilfeld) und Augustiner (z.B. Nordhausen) sich ausbreiteten. Für diese Vermutung einer Aufgabe des Arnoldsklosters als Ort der mit Magdeburg verbundenen Benediktiner in dieser Zeit könnte die schriftlich bezeugte Übertragung des Arnoldsberges im Jahr 1330 an das Zisterziensernonnenkloster zu Kelbra durch die Beichlinger (vgl. Meyer, Karl: Chronik des landräthlichen Kreises Sangerhausen, Nordhausen 1892, S. 89) sprechen, da damals ein einmal als Klosterlehen eingerichtetes Land in klösterlicher Hand bleiben musste.

 
2. Die St. Arnolds-Kirche auf dem Kirchberg

Wann die Arnoldskapelle auf dem Arnoldsberg aufgegeben wurde, ist historisch nicht sicher festzustellen, aber es ist von einem allmählichen Prozess auszugehen. Als das Klosterleben zurück ging bzw. aufgegeben worden war und die überlieferte Erinnerung an den heiligen Ort auf dem Arnoldsberg schwächer wurde, wird zunehmend der Wunsch nach einer eigenen Pfarrkirche in Breitungen entstanden sein. Um das Jahr 1400 ist überliefert, dass ein Stolberger Graf den Bau einer Kirche auf dem Breitenberg für die Orte Breitungen, Breitenberg und Dietersdorf veranlasste, die dem heiligen Grab (die Erinnerung an den Kreuzestod Jesu) geweiht war (vgl. Leopold: Kirchen-, Pfarr- und Schulchronik, Nordhausen 1817 Neudruck 2010, S. 109). Ob es allerdings ein tatsächlicher Neubau und nicht nur die Erneuerung einer schon bestehenden Kirche gewesen ist, bleibt offen. Es ist anzunehmen, dass sich die Einwohner des allmählich wohlhabend werdenden Breitungen nur schwer mit dieser mit Dietersdorf und Breitenberg geteilten Pfarrkirche anfreunden konnten. Nur wenige Zeit danach wird im Jahr 1427 auf dem Breitunger Kirchberg eine eigene Pfarrkirche erbaut, die den Namen des Heiligen Arnold von der Kapelle auf dem Arnoldsberg übernimmt. Auch wenn die Kapelle zu dieser Zeit eventuell noch genutzt wurde, zeigt die Namensweitergabe deutlich das Verständnis der damaligen Bewohner, dass die Kapelle auf dem Berg nun von der Kirche auf dem Kirchberg abgelöst ist.
Die Größe der Arnoldskirche auf dem Kirchberg ist heute nicht mehr zu ermitteln, da die Kirche nach der Einweihung der heutigen Arnoldskirche im Oberdorf abgetragen wurde und auf dem heute mit Häusern bebauten Gelände keine archäologischen Forschungen angestellt wurden.  Bei einem Vergleich mit ebenfalls im 15. Jahrhundert erbauten Kirchen in der goldenen Aue lässt sich vermuten, dass auf dem Kirchberg eine gotisch geprägte, einschiffige Hallenkirche mit einem hölzernen Dachstuhl und einer sechseckigen Aspsis gebaut wurde, die eine Größe von ungefähr 120-150 qm Grundfläche sowie einen Turm besaß. Drei Glocken schmückten diese Kirche: Bis heute erhalten ist die große, in fis gestimmte Glocke mit dem Gussjahr 1435. Ihre Inschrift lautet: „Anno Domini MCC.CC.XXXV++Ave Maria gratia plena” (Sei gegrüßt, Maria, voll der Gnaden”). Die beiden weiteren Glocken der Arnoldskirche auf dem Kirchberg, die ebenfalls 1735 mit in die Kirche im Oberdorf „umgezogen“ wurden, sind 1876 nach einem Blitzeinschlag umgeschmolzen worden: Die mittlere Glocke mit der Unschrift “Anno Domini MCCCCXXX“ (1430) und einem Wappen von Maria mit dem Jesuskind und die kleine Glocke aus dem Jahr 1505 mit der Inschrift „MCC.C.CC.IIIII – Hilpe God unde Sanctus Arnolphus“. (Zu den Glocken vgl. Dietrich: Die Landschaftlichen und geschichtlichen Merkwürdigkeiten der Güldenen Aue, S. 35/36).

 
3. Die heutige St. Arnolds-Kirche im Oberdorf

Bau und Einweihung
Nachdem die Kirche auf dem Kirchberg für rund 300 Jahre als Pfarrkirche diente, entstand – wahrscheinlich auch angeregt durch verschiedene Kirchenneubauten in der Umgebung – in Breitungen der Wunsch nach einer neuen und modernen, im Baustil des Barock gestalteten helleren Kirche. In der Chronik heißt es: „Der Vorgängerbau ist schon sehr alt, klein, dunkel und baufällig. Man sah sich also genötigt, eine neue Kirche zu bauen.“ Bereits 1695 hatte der Bergrat Müller das Gelände gegenüber vom Gut erworben, um mit eigenen Mitteln eine neue Kirche zu bauen. Scheinbar hatte er diesen Plan gefasst, ohne die Breitunger gefragt zu haben. Der Dietersdorfer Pfarrer und Chronist Kranoldt schreibt dazu: „da aber indess eine große Schlägerei zwischen den Bauern und den Seinigen vorfiel, war er anderen Sinnes, welches ihn auch von hier wegbrachte.“ Immerhin schenkte er den Bauplatz der Kirchengemeinde. Nach mehreren Anläufen und längeren Vorbereitungen war es dann 1727 soweit: Durch den Fürsten Jost Christian zu Stolberg-Roßla wurde der Grundstein für die Kirche gelegt. Der Bau unter der Leitung des Breitunger Baumeisters Laurentius Knaut sen. ist ein großes Projekt: Stützmauern müssen gezogen werden, ein sicheres Steinfundament gelegt, Steine herbeigeschafft und Unmengen von Holz bearbeitet werden. Am 22. August 1734 konnte dann die neue Kirche mit einer Predigt des damaligen Pfarrers von Breitungen, Daniel Grützmann, eingeweiht werden. 
Baustil
Die neue Kirche St. Arnold ist im zur damaligen Zeit üblichen barocken Baustil errichtet. Auf einem kurzen und breiten Schiff sitzt ein Satteldach mit jeweils drei Dacherkern, die auch den Emporen Licht schenken. Drei Pfeiler stützen die Ostwand des Langhauses ab. Die Kirche ist mit ortsüblichem Bruchsteinmauerwerk erbaut, wobei die Fenster mit rechteckigem Sandstein umfasst sind. Der im Westen befindliche Turm besteht aus einem Sockel aus massiven Bruchsteinen, an das sich das Fachwerkgeschoss anschließt, in dem der Glockenstuhl für die drei Glocken steht. Ein mit Schiefer gedecktes Zeltdach und eine quadratische Dachlaterne bilden den Abschluss des Turms.
Das Innere der Kirche wird geprägt durch zwei hölzerne Emporen, die sich hufeisenförmig an der Nord-, West- und Südseite befinden. Die Empore steht insgesamt auf zehn Stützen, die bis zur Decke reichen. Die Felder sind durch Rahmenprofile gegliedert, deren Flächen aber heute unverziert sind.
In der Nordöstlichen Ecke befindet sich die Sakristei mit einem gut erhaltenen, 3,00m x 1,5m großen Deckengemälde, das die Taufe Jesu am Jordan und den Bibelspruch aus Matthäus 17,5 zeigt. Über der Sakristei ist die hervorgehobene Patronatsloge eingebaut, die durch das gräfliche Wappen der Stolberger gekennzeichnet ist. Bis zur Renovierung 1869/70 konnte man über eine Treppe mit dem Namen „Herrentreppe“  an der Südseite direkt auf die 1. Empore mit der Patronatsloge steigen.
Das einfache Gestühl im Kirchenraum ist als mittig durch eine Trennwand geteilter Block mit Zugang von allen Seiten gestaltet. Die Bänke besitzen eine geschlossene Rückwand, ein Fußbrett und eine Ablage für das Gesangbuch. Sie lassen heute erahnen, dass die Gottesdienstbesucher im 18. Jahrhundert nicht nach Vorlieben oder Familien, sondern nach ihrem jeweiligen Stand geordnet saßen: Im Schiff zuerst die Konfirmanden, dann auf der linken Seite die unverheirateten Frauen und auf der rechten Seite die verheirateten Frauen mit ihren Kindern. Die erste Empore war für die verheirateten Männer bestimmt, die zweite Empore für die unverheirateten Männer. Die hinterste Bank unter den Emporen ist mit einer verschließbaren Tür und einer Überdachung versehen und könnte einmal das Gestühl des Gemeinderates gewesen sein.
Taufstein
Der bis heute in Benutzung stehende Taufstein wurde aus der alten Kirche auf dem Kirchberg übernommen.  Der aus einem Block gehauene Stein ist achteckig und ist plastisch als eine Art Blütenkelch verziert. Die heute kaum zu entziffernde Aufschrift verweist auf Michael Bernats als Stifter: „DEN ERSAMEN / M*MICHEL BE / RNATS*UN / D SEINEM W / EIBE ANNA / CRISTLICHEN STIFDUNG“ Die Inschrift am Rand „M *IOACHIM VADER ANNO 1666“ nennt den Steinmetz und das Herstellungsjahr. Als erster wurde in der neuen Kirche am auf die Kirchweih folgenden Sonntag, den 29. August 1734, der Sohn von Johann Michael Keuz getauft.
Altar
Auch wenn die Kirche seit dem Spätsommer 1734 als Pfarrkirche verwendet wurde, fehlte noch der Kanzelaltar, der von dem Nürnberger Bildhauer Baguhun für den Preis von 43 Talern in Auftrag gegeben war. Stifter des Altars waren die Bergherren Clermont de la Borchette und Gründler. Erst über ein halbes Jahr nach der Einweihung wurde der für die damalige Zeit moderne und sehr kunstvolle Altar nach Breitungen transportiert und zu Ostern 1735 eingeweiht.
Der Altar hat die Grundform eines Kanzelaltars, d.h. der Pfarrer betrat den Kanzelkorb über eine Treppe, die auf der Hinterseite des Altars von der Sakristei aus dorthin führte. Dahinter steht die Vorstellung, dass das Wichtigste für eine Gemeinde das Wort Gottes ist, das in der Predigt verkündigt wird. Der Kanzelkorb ruht auf Wolken, aus denen Engelsköpfe als Symbol für die Hoffnung auf die Ewigkeit herausschauen. Unter dem Kanzelkorb und damit auf Augenhöhe mit den beim Abendmahl um den Altar versammelten Christen befindet sich eine Darstellung des ersten Abendmahls von Jesus und seinen Jüngern. Es nennt in seiner Signatur den damals zuständigen Pfarrer und den Künstler: „Mag. C.D Grützmann Past : G. Mart: Wagner Pict. 1741.“ 
Der Kanzelkorb wird eingefasst von schräg gestellten Pfeilern mit ionischen Kapitellen und konischen Säulen. Von den Kapitellen hängen in Holz geschnitzte blumenartige Gebinde herab. Die relativ hohen Postamente für die Säulen sind mit insgesamt 6 Blumendarstellungen und jeweils einem lateinischen Bibelvers verziert.
Der bekrönende Aufsatz oberhalb des Kanzelkorbs besteht aus einem gerahmten Giebel mit Rollwerk, in deren Mitte sich das Dreieck als Zeichen für Trinität und das Auge Gottes befindet. Auf dem Giebel steht eine 1,5 Meter hohe Figur des auferstandenen Christus, der in seiner Hand die rote Siegesfahne trägt. Unter dem Trinitätssymbol ist ein Pelikan geschnitzt, der sich für seine Jungen die Brust aufreißt. Der Pelikan ist seit dem 5. Jahrhundert das Symbol für den gekreuzigten Christus, der sein Leben für die gibt, die an ihn glauben. Durch den Pelikan und den auferstandenen Christus ist so der Altar vom Gedanken von Kreuz (Karfreitag) und Auferstehung (Ostern) geprägt.
Über den Gesimsen sitzen zwei allegorische Figuren: Links die Plastik „Glauben“ mit einem Buch und dem Kreuz, zu denen die Worte gehören: „Dulde das“. Und rechts sitzt die Figur „Hoffnung“ mit Anker und Taube sowie das Wort „Hoffe das.“
Zwei weitere kunstvolle Plastiken zieren die beiden Durchgänge. Links Mose, der die Gesetzestafeln trägt, und rechts Johannes der Täufer, der auf Christus verweist.
Der Altarblock selbst ist gemauert und in zwei diagonal gestellte Pfeiler eingefasst. Er ist auf zwei Stufen erhöht und wird von zwei Altargittern mit Kniebank umgrenzt, auf denen die Gottesdienstbesucher bis noch zum Anfang des 20. Jahrhunderts das Abendmahl erhielten.
Eine Besonderheit des Breitunger Altars ist die in farbiges Holz gefasste Sanduhr mit vier Stundengläsern, an der oben eine Uhr mit römischen Zahlen und verstellbaren Zeigern angebracht ist. Die vier Stundengläser sind auf die Zeit 15min, 30min, 45min und 60min geeicht, so dass der Pfarrer jeweils die Länge seiner Predigt abschätzen konnte. Eine Predigt unter 45 Minuten galt im 18. Jahrhundert als unschicklich, so dass oft über eine Stunde gepredigt wurde. In einer preußischen Anordnung vom Anfang des 19. Jahrhunderts wird dann die Predigtlänge bei Strafe auf die Dauer von höchstens einer Stunde verkürzt.
Glocken
Auch die drei Glocken der Kirche auf dem Kirchberg wurden in die neue Kirche im Oberdorf übernommen. Als nach einem Blitzeinschlag am 8. Juli 1876 die mittlere Glocke geschädigt wurde, entstand der Plan, diese mit der kleinen Glocke in zwei neue, wiederum zur großen Fis-Glocke passende Glocken umgießen zu lassen. Nachdem die Finanzierung durch die Kirchengemeinde und den Verzicht auf die Jagdpacht durch die Waldbesitzer der Jahre 1876-1878 gesichert war, wurden zwei Glocken bei dem Glockengießer Karl Friedrich Ulrich in Apolda bestellt. Schon im Herbst 1876 konnten die beiden Glocken über den Bahnhof Roßla nach Breitungen transportiert werden. Die mittlere Glocke wurde in Ais gestimmt und erhielt die Aufschrift „Jesus Christus gestern, heut und derselbe auch in Ewigkeit.“. Die kleine, in Cis gestimmte Glocke, war die Taufglocke und wurde mit der Aufschrift gegossen: „Vom St. Arnoldskloster auf der Schanze stamme ich, seit 1505 hörte Breitungen mich. Nun hab ich die Jahreszahl 1876 angenommen, und rufe: Lasset die Kindlein zu Christo kommen“. Am Sonntag, den 15. Oktober, fand die Glockenweihe statt. Leider werden die beiden Glocken von 1876, die mit der Bronze der mittelalterlichen Glocken gegossen wurden, 1917 abtransportiert und eingeschmolzen. Als Ersatz wurden 1934 zwei neue Glocken gegossen, die aber bereits 1940 wieder abgeholt worden. So läutet heute nur noch die eine große Hauptglocke von 1435, die bereits in der Kirche auf dem Kirchberg zum Gebet und Gottesdienst gerufen hatte.
Orgel
Im 19. Jahrhundert verfolgte die Kirchengemeinde und der Breitunger Bürgermeister das Ziel, eine herausragende Orgel einbauen zu lassen, um die damalige Bedeutung Breitungens als eines aufgrund Bergbau und Landwirtschaft reichen Ortes angemessen darstellen zu können. Für den Orgelbau wurde der damals bekannte Orgelbaumeister Maurer aus Kölleda für eine Bausumme in Höhe von neunhundertdreißig Talern gewonnen. Die Höhe dieser Summe wird dadurch deutlich, dass die gesamte Kirche inklusive Glocken, Sitzbänken und Emporen nur ungefähr den vierfachen Wert gekostet hat. Doch als im Jahr 1847 die Orgel eingebaut und abgenommen wurde, entstand laut Gemeindechronik ein Streit über die Ausführung, so dass nach einem Gerichtsprozess dem Orgelbauer ein Teil dieser Summe abgezogen wurde.
Die Maurer-Orgel ist eine mechanische Schleifladenorgel mit zwei Manunalen und Pedal, die von ihrem klanglichen Aufbau eine große Nähe zur Orgelwerkstatt Strobel in Bad Frankenhausen erkennen lässt. In ihrer Disposition und in der technischen Anlage besitzt die Orgel einige Besonderheiten: Sie besitzt viele Holzregister und hat damit einen differenzierten Grundstimmenbereich.  Die Hauptbedeutung der Orgel, die eigentlich für eine Dorfkirche deutlich überdimensioniert wirkt, liegt im Originalzustand des gesamten Pfeifenwerkes. Abgesehen von den Prospektpfeifen, die für Kriegszwecke 1917 ausgebaut wurden, und dem später angebauten Orgelmotor ist sie nahezu unverändert seit 160 Jahren. Eine derart ursprünglich erhaltene Orgel des 19. Jahrhunderts in einer Dorfkirche hat im Südharz keine Parallelen. Die Kirchengemeinde hat das Ziel, die Orgel grundlegend zu sanieren, doch ist die Finanzierung bisher noch nicht gelungen.
Renovierungen der Kirche
Eine erste große Renovierung der Breitunger Kirche fand in den Jahren 1869/70 statt. Zuerst wurden die Dachziegel aufgenommen und erneut gedeckt. Die Außenmauern sind mit einem Lederkalk neu verputzt worden. Die sogenannte Herrentreppe, die von außen an der Südseite direkt zur 1. Empore führte, wurde abgerissen und statt der Tür ein neues Fenster eingebaut. Auch im Inneren fanden umfangreiche Veränderungen statt. Die Türen zwischen Turm und Schiff tauschte man aus, die beiden Treppenhäuser im Turm wurden neu gemauert und die Turmwand so durchbrochen, dass von der Treppe ein Zugang zu den Emporen möglich war. Sämtliche Emporen wurden ausgebessert und neu gestrichen. Diese Arbeiten wurden finanziert durch die Kirchengemeinde (100 Thaler), die Gräfin Bertha zu Rossla, die Mutter des regierenden Graben Botho zu Roßla (100 Thaler), die evangelische Kirche (1000 Thaler) und die Gräfliche Wilhelmsstiftung zu Roßla (100 Thaler). An dieser Aufstellung wird deutlich, dass bereits damals eine Mischfinanzierung notwendig war, um umfangreiche Renovierungen durchzuführen.
Nachdem das 1869 reparierte Ziegeldach erneut undicht geworden war, entschloss man sich 1906, das Kirchenschiff neu mit Schiefer einzudecken. Im Jahr 1931 ist dann die bisherige Kerzenbeleuchtung über Kronleuchter mit einer elektrischen Lichtanlage ersetzt worden.
Eine zweite große Renovierungsphase begann, als in den Jahren nach der Wende größere Baumaßnahmen an Kirchen überhaupt erst wieder möglich wurden. Die Holzkonstruktion des Turmes wurde 1993 weitgehend erneuert. 1995 begann im Rahmen einer AB-Maßnahme unter der fachkundigen Leitung von Rüdiger Göbel eine groß angelegte Renovierung im Innenraum, da die Emporen, Fußböden und der Innenputz stark geschädigt waren. Die Bänke wurden komplett entfernt, um den Fußboden erneuern zu können. Ein Großteil der Balkenauflagen der Emporen wurde ausgetauscht, der Putz erneuert und die Elektroinstallation neu verlegt. Am Ende dieser Arbeiten wurden Bänke und Emporen neu gestrichen. Im Jahr 1997 konnte die Holzkonstruktion des Kirchendachs erneuert und die Nordseite neu mit Schiefer eingedeckt werden. Nach einer provisorischen Sicherung mit Dachpappe ist dann die südliche Dachfläche des Kirchenschiffs 2004 neu verschiefert worden. Die Kirchengemeinde ist sehr dankbar, dass diese großen Sanierungsvorhaben durch die beständige Unterstützung der jeweiligen Gemeinderäte und Bürgermeister möglich wurden.

 


Kirchspiel Rossla-Tilleda - Evangelische Kirche zwischen Kyffhäuser und Südharz
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